Kendall’s journey

In her blue Morris, Kendall meandered through the Loire valley. Every now and then, she cried at the wheel. The Loire valley was Kendall’s rescue, it had something dignified and orderly. Order had always calmed her. When she cried or was gripped by her ego, which can also make you blind, it was a miracle that she didn’t end up in a ditch. 

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Kendall’s Reise

In ihrem blauen Morris fuhr Kendall ziellos durch das Loiretal. Hin und wieder weinte sie am Steuer. Das Loiretal war Kendall´s Rettung, denn es hatte etwas Würdevolles, Ordentliches; Ordnung hatte sie schon immer beruhigt. Wenn sie weinte oder fest von ihrem Ego umklammert war, war es ein Wunder, dass sie nicht blind in einen Graben fuhr. 

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Who does not build paradise, deserves none

What impressed me yesterday: the fingernails of Ms. Giersberg. So colourful, so clunky and so … impractical? They are of the extra-long kind, glued on, with green and purple stripes with glitter. While Ms. Giersberg is awkwardly gathering the coins from the counter and hands us our tickets, I wonder why I associate ‚female‘ with impracticality.

Before we know it, we are in the middle of the tour. Our guide takes us through an old zinc factory, where the stuff—that stuff I had seen advertised just this morning on the back of my toothpaste for its disinfectant qualities—was produced around 1860 at the cost of many lives. “Electrolysis,” my chemist had told me on the phone earlier.

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Wer sich kein Paradies baut, hat sich keins verdient

Was mich gestern beeindruckt hat: Der Frau Giersberg ihre Fingernägel. So bunt und so klobig und so… unpraktisch? Es sind diese extra langen Dinger, die aufgeklebt werden, grün-lila gestreift, mit Glitzer. Ich überlege, wieso ich weiblich mit unpraktisch assoziiere, während Frau Giersberg umständlich unser Wechselgeld vom Tresen klaubt und uns die Tickets aushändigt.

Schon geht die Führung los, unsere Museumsführerinführt uns durch die alte Zinkfabrik, wo das Zeug, also das Zeug, das mir heute Morgen noch als desinfizierend auf der Zahnpastatube angepriesen wurde, so ca. um 1860 unter Einsatz vieler Leben hergestellt worden war. ‚Elektrolyse‘ hatte mir mein Chemiker noch am Telefon zugerufen, aber was wir da sahen, das war noch lange davor; pyrometallurgisch, wie die das nennen. Oder eben so, wie es war: 25 Kilogramm schwere, sauheiße Zinkplatten, die dabei rauskamen, wenn man den ganzen Kram schmolz, um das Rohzink, das aus Zinkerz gewonnen worden war, noch vom Blei zu befreien. Ich habe vergessen, was oben und was unten geschwommen ist bei der Höllenbrühe, aber dass auch noch Kadmium und Arsen – unter anderem – freigesetzt und eingeatmet wurden, das habe ich mir gemerkt.

Die übliche Schicht dauerte 12 Stunden, nee, Moment, ich glaube es waren nur 6 oder 8 Stunden – aber nur, weil man bei der Hitze und der Plackerei so viel Gewicht verlor, dass es nach einer gewissen Zeit wirtschaftlicher war, die Schicht zu kürzen – die Anzahl der Leute, die sich sowas antaten, war zwar nicht wirklich begrenzt, aber man musste sie wenigstens eine Zeitlang am Leben halten. Rechnete sich sonst nicht. Und Elefanten-Hornhaut – ja so nannte man das – war auch billiger als hitzefeste Handschuhe. Die Altersversorgung war nur für die Witwe und die Kinder gedacht, aber das sagte man nicht so laut. Von den Greisen, die wir auf einem Schwarz-Weiß-Foto bestaunen konnten, waren die Jüngsten 14 und die Ältesten 45. Bis auf den Besitzer der Fabrik. Heute, da wird das hydrometallurgisch gemacht, nicht pyro-, und die Zeiten sind modern und die Frau Giersberg kann sich an ihren Fingernägeln freuen.

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Schon geht es weiter zum Koks, das man erst nach der Erfindung der Dampfmaschine abbauen konnte, sonst wären die Schächte immer mit Wasser vollgelaufen. Und Koks verbrennt bei höheren Temperaturen und deswegen konnte man dann Stahl herstellen. Wann genau im Prozess, das hab ich vergessen, aber er wird gekocht im Hochofen, man sagt das, weil von unten Luft durch die heiße Flüssigkeit geblasen wird. Dann erst, durch oder mit viel Funkenflug verbrennt der Sauerstoff, dann Silizium und Mangan, und später noch, bei noch höheren Temperaturen, Kohlenstoff und Phosphor. Dann kommt der Abstich, Schlacke oben, Roheisen unten. Die Schlacke kommt auf Halde und glüht noch.

Ich schätze, meine Oma hat das alles noch miterlebt in den Vierzigern und Fünfzigern, denn sie hat ja in Duisburg auf der Kochstraße gewohnt, die Halde war ganz in der Nähe. Jedenfalls hab ich die Kinderversion der Schlacke/Halde/’glüht noch‘-Geschichte von ihr in den in den 80ern gehört: Wenn die Sonne untergeht und der Himmel am Horizont rot leuchtet, dann backen die Engel Plätzchen für Weihnachten. Logisch. Es mussten ja auch viele Kekse gebacken werden, das ganze Jahr über. Dafür gibt es ja auch Blechdosen, damit die frisch bleiben. Ich habe mich trotzdem immer gefreut, dass wir unsere eigenen Kekse gebacken haben, besonders wenn Spritzgebäckteig durch den Fleischwolf gedreht wurde mit so einem Zickzack-Aufsatz. Hackfleisch gab es ja dann schon lange vom Metzger, das hat man nicht mehr selber gemacht. Nur einmal, kann ich mich erinnern, haben unsere Nachbarn auf dem Dorf ein Schwein geschlachtet und das Blut lief in einen Eimer und davon haben wir Blutwurst gemacht.

Ich bin abgelenkt. Roheisen ist spröde und brüchig, weil es noch zu viel Kohlenstoff enthält – 4,5% oder so. Stahl, das darf sich nur nennen mit weniger als 2%. 0,2% ist noch besser, das ist die S235er-Legierung, wenn ich mich recht erinnere. Das haben wir in einer Universalprüfmaschine geprüft und eine Ziehprobe gemacht. Ist dann mit einem lauten Knall gerissen, der Stahl. Die Maschine hat mit einem kleinen Motor eine Hydraulikpumpe bedient, die sich dann Stück für Stück (im Millimeter-Bereich) gehoben und den eingeklemmten Stahl im „μ„-Bereich zerrissen hat. Atom für Atom hat geächzt. Und der Frau Giersberg ihre Nägel.

Das Sofa

Verdammt. Cazzo! Ging es auch anders? Nicht soviel nachdenken. Sie hatte beschlossen, es zu tun, also würde es jetzt auch gemacht. Ha! Sie hatten es ja auch schließlich die Treppe raufbekommen, da würde es ja auch wieder runtergehen. Sie drehte es auf die Rückseite und liess das Sofa auf dem Stoff die Treppe hinuntergleiten. Es war viel leichter, als es aussah.

Das Treppenhaus wand sich um den Aufzugsschacht und war großzügig geschnitten. Je zwei Wohnungen auf einer Etage, und die Stufen gingen in zwei Sätzen ins nächste Stockwerk, mit einem breiten Treppenabsatz dazwischen, auf dem man auch ein Sofa parken konnte. Sie ging die Treppe hinunter, am Sofa vorbei und manövrierte es nun um die Ecke. So würde es gehen. Nur noch ein paar Runden, und es stünde auf der Straße. Natürlich wäre es zu zweit einfacher, aber wenn sie immer im Leben darauf gewartet hätte, dass der oder die passende Zweite vorbeikäme, säße sie wahrscheinlich immer noch auf dem Dorf.

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EWALD CH. EMPAUS

EWALD CH. EMPAUS, das stand auf seiner Visitenkarte. Darunter nur seine E-Mail-Adresse und seine Telefonnummer. Ohne Kontaktdaten würde er ja auch keine Karten brauchen. Aber er wollte in keine Schublade gesteckt werden, deswegen nur der Name. Genau das war ja auch seine Stärke: Versatil und diskret. Die Karte war schlicht. Weiß, schwarze Schrift, die Rückseite aus grünem Samt. Er war so stolz gewesen, als der 3D-Drucker endlich das gewünschte Ergebnis ausgespuckt hatte. Passend zur Weste seines Reitkostüms. 

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